Wissenswertes

Was ist Komplexe Interdisziplinäre Frühförderung?

Frühförderung ist ein System von Hilfsangeboten für Kinder vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt, die behindert oder entwicklungsauffällig sind sowie für deren Eltern und Familien. Ziel ist es, die Probleme der Kinder so früh wie möglich zu diagnostizieren und zu behandeln. Zugleich beinhaltet Frühförderung die Beratung und Unterstützung der Eltern.

Im Vordergrund steht die Förderung der Entwicklung der Kinder z. B. durch geeignete und spielerische Methoden. Hinzu kommen in vielen Fällen medizinisch-therapeutische Maßnahmen wie sie z.B. durch Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie erbracht werden.
Wirken diese pädagogischen, heilpädagogischen und medizinisch-therapeutischen Leistungen zusammen spricht man von einer Komplexleistung.
Um eine enge Zusammenarbeit zwischen den Heilpädagogen und den Therapeuten zu gewährleisten, arbeitet die Frühförderstelle der Lebenshilfe Torgau e.V. interdisziplinär.
Unser Vorteil für diese enge Zusammenarbeit ist, dass sich Räume der Heilpädagogik und die Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie unter einem Dach in der Villa des Martin-Luther-Ring 1 befinden.

Warum wird Frühförderung notwendig?

Frühförderung kann notwendig werden, wenn Ihr Kind:

  • eine Früh- oder Risikogeburt war
  • nicht nach Spielzeug greift
  • nicht rechtzeitig sitzen oder laufen lernt
  • sich ängstlich zurückzieht
  • wenig Kontakt sucht
  • ungeschickt ist
  • laut und überschießend ist
  • nicht gut sieht, hört oder tastet
  • ein richtiger Zappelphillip ist
  • ein Stubenhocker ist
  • in der Bewegung auffällig ist
  • wenig oder auffällig spricht
  • nicht zum Spiel findet
Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder wenden Sie sich an unsere Frühförderstelle, wenn Sie beunruhigt sind.
Wir beraten Sie gern und unverbindlich über die Möglichkeiten der individuellen Förderung Ihres Kindes. Die Beratung unterliegt der Schweigepflicht.
Bei folgenden Indikationen/Diagnosen kann unsere Frühförderung helfen:
  • drohende Behinderung
  • Teilleistungsstörung (Aufmerksamkeits-, Wahrnehmungsstörung)
  • Sprachstörung
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • AD(H)S
  • verzögerte Entwicklung
  • sonstige Auffälligkeiten oder Beeinträchtigungen in der Entwicklung z.B. grobmotorisch, feinmotorisch oder emotional
  • auffälliges Spielverhalten

Wer arbeitet in der Frühförderung?

Das ganzheitliche Hilfekonzept verbindet medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Hilfen.
In unserer Frühförderstelle arbeitet ein interdisziplinär zusammengesetztes Team aus Sozial- und Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden. Darüber hinaus werden externe Therapeuten, Psychologen, Kinder- und Fachärzte in Diagnostik und Therapie mit einbezogen.
Weiterhin besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten, Vorschule und Grundschule sowie sozialen Diensten wie der Familienhilfe.

Wie und wo beantrage ich Frühförderung?

Frühförderung kann empfohlen werden durch:

  • den Kinderarzt
  • den Kindergarten
  • das Gesundheitsamt (nach Vorsorgeuntersuchungen)
  • Ihre eigenen Bedenken
Verordnung: Nur der Kinderarzt/Hausarzt kann Ihnen einen Überweisungsschein zur Frühförderung ausstellen.
Mit dem Überweisungsschein vereinbaren Sie mit der Frühförderstelle einen Termin zur Diagnostik Ihres Kindes. Die Diagnostik ist die Grundlage zur Erstellung eines Förder- und Behandlungsplanes. Die Förderung nach diesem Plan erfolgt einmal wöchentlich.

Wer finanziert Frühförderung?

Frühförderung ist Vorsorge. Die Behandlung ist freiwillig und für die Eltern kostenfrei. Laut Bundessozialhilfegesetz (BSHG) haben Eltern einen Rechtsanspruch auf kostenfreie Hilfen.
Frühförderung umfasst als Komplexleistung zwei Leistungsarten:
  1. Heilpädagogische Leistungen - Die Kosten übernimmt der örtliche Sozialhilfeträger.
  2. Leistung zur medizinischen Rehabilitation (z. B. Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie) - Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Wie erfolgt die Zusammenarbeit mit den Eltern?

Die Eltern sind unser wichtigster Partner in der Förderung der Kinder. Ihre kontinuierliche Mitarbeit beeinflusst den positiven Entwicklungsverlauf maßgeblich.
Die Elternarbeit gestaltet sich in Form von Gesprächen vor und nach der Fördereinheit, regelmäßigen Gesprächsterminen in Abwesenheit des Kindes, durch telefonischen Kontakt sowie auf Wunsch der Eltern jederzeit nach Terminabsprache.
In folgenden Bereichen kann den Eltern Beratung und Unterstützung angeboten werden:
  • Informationen über die individuellen Besonderheiten des Kindes
  • altersgemäße Entwicklung des Kindes
  • Möglichkeiten der Freizeitgestaltung
  • Verhaltens- und Erziehungsprobleme
  • Spiel-, Beschäftigungs- und Fördermöglichkeiten zu Hause
  • Handling im Säuglingsalter
  • Altersgerechtes Spielzeug
  • Hilfsmittelberatung
  • Auswahl des richtigen Betreuungsplatzes
  • Auswahl der optimalen Schulform
  • Fachärzte/Spezialkliniken
  • Hilfe und Entlastung durch soziale Dienste
  • Hilfe zur Bewältigung von Problemen im Zusammenhang mit der Behinderung des Kindes
  • Informationen über rechtliche und finanzielle Fragen
  • Hilfe bei Alltagsproblemen